Manaslu 2007

Am 3.10.07, exakt um 23.00 Uhr starteten Beni Böhm, Basti Haag und Nicola Bonnet vom Basecamp (4900m) Richtung Gipfel des Manaslu (8163m):

Wir kamen die ganze Nacht hindurch trotz extremer Kälte sehr gut voran. Wegen dem extremen Neuschnee der letzten Tage konnten wir direkt von unseren Zelten im Basecamp mit Skiern starten. Auf 6200m, um ca.03.00 Uhr morgens zwang uns die Kaelte (ca. -30°C) unsere Daunenjacken und Daunenhandschuhe auszupacken, Ueberhosen anzuziehen und die tauben Fueße zu massieren. Der Großteil unserer Getraenkeflaschen war trotz Isolation schon eingefroren. Langsam begann es zu dämmern und die Morgensonne brachte uns etwas Wärme. Die endlose Flanke wurde immer steiler und die Seracs immer größer. Unser Freund Nicolas wurde leider langsamer und der Abstand immer groeßer. Er rief uns zu, der Gipfel sei für ihn zu weit weg und damit unerreichbar. Er beschloss den Nordgipfel des Manaslu zu besteigen. Trotz der widrigen Umstände der letzten Wochen wuchs gerade in diesem Moment in uns die Überzeugung, dass wir diesen Gipfel heute erreichen werden. Obwohl wir spuren mussten lagen wir ja immer noch gut in der Zeit. Es war erst 07.30 Uhr und wir hatten noch den ganzen Tag. Das Wetter war gut und der Wind war noch erträglich. Wir fühlten uns gut und blieben in unserem Rhythmus, obwohl wir über 7000m unser Tempo etwas reduzieren mussten. Leider fanden wir nicht die ideale Route durch die Seracs und mussten direkt über zwei große Eisrücken klettern. Das kostete uns Zeit und Kraft. Kurz vor der Schulter zum Gipfelplateau auf 7400m fanden wir uns schließlich in einem Steilhang mit Massen von Neuschnee und windgepresstem Triebschnee. Auf beiden Hängen waren große Abrisskanten von Lawinen der letzten Tage. Da die Flanke von unten immer sehr blank aussah haben wir mit so etwas nicht gerechnet. Wir hatten ein sehr schlechtes Gefühl. Die Schneemassen waren völlig unverbunden und wir steckten mittendrin. Bis zur sicheren Schulter, 150m über uns wurde der Hang noch steiler. Wir mussten eine Entscheidung treffen und es war schnell klar, dass wir die hohe Todesrate des Manaslu nicht weiter strapazieren wollten. Nach der langen Vorbereitung war es so kurz vor dem Gipfelplateau eine wirklich harte Entscheidung. Wir schnallten unsere Skier an und es ging runter. Wieder im Basecamp waren wir erschöpft, müde, deprimiert, aber gesund und unverletzt.

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Expeditionstagebuch



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